Rose Tattoo in Köln: Ein letzter Ritt durch fünf Jahrzehnte Rock’n’Roll

Rose Tattoo – Rock’n’Roll Outlaws – One Last Ride
Support: Velvet Rush

7. August 2026 – Live Music Hall, Köln
Es gibt Konzerte, die sind mehr als nur ein Abend mit lauter Musik. Sie sind ein Stück Rockgeschichte – und genau so ein Abend war der Auftritt von Rose Tattoo in der Kölner Live Music Hall. Unter dem Motto „Rock’n’Roll Outlaws – One Last Ride“ befindet sich die australische Kultband auf ihrer letzten Europatournee. Nach fünf Jahrzehnten Bandgeschichte heißt es Abschied nehmen.
Doch bevor die australischen Rock’n’Roll-Outlaws die Bühne übernahmen, gehörte der Abend zunächst Velvet Rush. Die junge Band hat sich dem klassischen Hard- und Bluesrock verschrieben und verbindet den Sound der 70er-Jahre mit einer modernen Energie, der Stellenweise starke an AC/DC erinnerte. Seit ihrer Gründung 2023 arbeitet die Band daran, genau diese Mischung auf die Bühne zu bringen – und als Support für Rose Tattoo passte das Konzept hervorragend.
Velvet Rush machten von Beginn an klar, dass sie nicht gekommen waren, um lediglich die Wartezeit auf den Headliner zu überbrücken. Gitarren, treibender Rhythmus und eine gehörige Portion Rock’n’Roll sorgten für die passende Einstimmung auf den Hauptact.

Sängerin Sandra Lian, überzeugte hierbei nicht nur allein durch ihre Stimme. In schwarzem Lack gekleidet, viel freie Haut zeigend, gab sie auf der Bühne alles, um die Halle zu erhitzen. Der Support erwies sich damit als ausgesprochen stimmige Wahl und bereitete das Publikum bestens auf das vor, was noch kommen sollte.
Dann wurde es Zeit für die Legenden aus Australien.
Rose Tattoo stehen seit ihrer Gründung 1976 für eine kompromisslose Mischung aus Bluesrock, Hardrock und dreckigem Pub-Rock. Songs wie „Rock ’n’ Roll Outlaw“, „Bad Boy for Love“ und „Nice Boys“ gehören längst zum festen Inventar der Rockgeschichte. Fünf Jahrzehnte später ist die Band noch immer unterwegs – allerdings mit dem Wissen, dass diese Reise ihrem Ende entgegengeht.

Und genau dieses Bewusstsein lag über dem Konzert.
Frontmann Angry Anderson, der vor kurzen in Frankfurt auf der Bühne erst seinen 79. Geburtstag feierte, verkörpert, wie kaum ein anderer noch auf der Bühne stehender Sänger den Spirit of Rock ‘n’ Roll.
Mit dieser rauen, dreckigen, nicht nach Perfektion schreienden Stimme, die einfach nur nach gelebtem Rock’n’Roll klingt, die keine überproduzierte Show, keine unnötigen Effekte braucht, brachte er die Halle von der ersten Sekunde an zum Kochen.
Sänger, Gitarren, Schlagzeug und Bass, das Konzept der Band ist einfach: laut, direkt und ohne Kompromisse. In der Live Music Hall funktionierte dieses Rezept hervorragend. Das ehemalige Industriegebäude besticht ebenfalls durch seinen einfach gehaltenen, rauen Charme.
Die Songs kamen mit der nötigen Härte und Geradlinigkeit aus den Boxen. Gerade im Zeitalter immer größerer Produktionen wirkte dieses Rose-Tattoo-Konzert beinahe wohltuend reduziert: Hier geht es nicht um Spektakel, sondern um die Musik und um die Verbindung zwischen Band und Publikum.
Dabei war der Abend natürlich von einem besonderen Gefühl geprägt. Wer Rose Tattoo an diesem Abend in Köln erlebte, wusste: Eine solche Gelegenheit wird es wahrscheinlich nicht noch einmal geben. Die „One Last Ride“-Tour ist ausdrücklich als letzte Europatournee der Band angekündigt – und macht das Konzert damit automatisch zu einem Abschied von einem Stück Rockgeschichte.
Dass Rose Tattoo dabei nicht einfach nur einen nostalgischen Rückblick ablieferten, sondern noch immer mit voller Rock’n’Roll-Energie zu Werke gingen, machte den Abend umso besonderer. Auf den Punkt gebracht würde ich sagen, es war „Schnell, geil und laut“ genau so, wie man es von Rose Tattoo erwartet habe. Ein würdiger Abschied.
Und vielleicht liegt genau darin die große Stärke dieses Abends: Rose Tattoo mussten niemandem mehr beweisen, dass sie zu den Großen gehören. Sie mussten keine neuen Trends setzen und keine Vergangenheit neu erfinden. Sie mussten einfach Rose Tattoo sein.
Die Kombination aus Velvet Rush als hungrigem Nachwuchs und Rose Tattoo als australischer Rockinstitution machte den Konzertabend in Köln zu einer gelungenen Begegnung verschiedener Generationen des Hardrock. Die einen stehen für die Zukunft des klassischen Rock, die anderen für seine Geschichte.
Am Ende bleibt deshalb vor allem ein Gedanke: Rock’n’Roll kann altern – aber er muss nicht leiser werden.
Rose Tattoo haben in der Live Music Hall eindrucksvoll gezeigt, warum ihr Name seit 50 Jahren mit dreckigem, ehrlichem und kompromisslosem Rock verbunden ist. „One Last Ride“ ist mehr als ein Tourmotto. Es ist der Abschied einer Band, die den Rock’n’Roll über Jahrzehnte gelebt und geprägt hat.

Setlist
1. Scarred for Life
2. One of the Boys
3. Man About Town
4. Rock ‘n’ Roll Is King
5. Manzil Madness
6. Chinese Dunkirk
7. All the Lessons
8. Sidewalk Sally
9. Suicide City
10. Rock ‘n’ Roll Outlaw
11. The Butcher and Fast Eddy
12. T.V.
13. Remedy
14. Bad Boy for Love
15. We Can’t Be Beaten
16. Nice Boys
Encore:
17. Hard Road (Stevie Wright cover)
18. Astra Wally

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