
Erstaunlich, was an jenem Samstagabend alles auf die Bühne der Ruhrbühne Witten passte: Tanz und Magie, Burlesque, düsterer Gesang, Poleakrobatik und sogar wirbelnde Klingen. Dazu ein kleiner Basar, Kunst in der Pause und ein Publikum, das sich auf den ganzen schrägen Mix nur zu gern einließ. Auch in seiner vierten Ausgabe blieb Varieté Bizarr alles andere als eine gewöhnliche Tanzshow, und das ganz bewusst.
Zusammengehalten wurde der Abend von Julia Anoush. Sie hat das Varieté nicht nur organisiert, sondern aus sehr unterschiedlichen Künstlern ein Programm geformt, das von der ersten Minute an eine eigene Handschrift trug: mal dunkel und geheimnisvoll, mal glamourös, mal verspielt, dann wieder mit ordentlich Tempo. Genau diese Mischung ist es, die Varieté Bizarr ausmacht.

Durch den Abend führten die Moderatorinnen mit Humor, Charme und ein paar reichlich kuriosen Geschichten zwischen den Nummern. Das gab dem Publikum Zeit zum Durchatmen, denn was eben noch verträumt war, konnte im nächsten Moment hart und düster werden.
Den orientalischen Ton setzte Alexandra Rashwan, die ägyptische Folklore mit freien Fusion-Elementen verband und daraus etwas ganz Eigenes machte. Deutlich dunkler wurde es bei Yaeryn, die das Publikum in eine fast rituelle Tanzwelt zog.
Requisiten dienten an diesem Abend selten nur der Dekoration. Iomantie etwa kreiste mit Buugeng über die Bühne, jenen geschwungenen Klingen, die im Flow-Arts-Tanz beinahe zu schweben scheinen und das Publikum regelrecht in einen Sog zogen. Fusionea trieben es musikalisch wie tänzerisch in die härtere Richtung, während die Beastie Beauties in ihrer Tribal-Fusion-Nummer gleich die Entstehung des Universums verhandelten. Mehr Größenwahn darf eine Varieté-Nummer ruhig haben.
Pinky Paradise brachte Burlesque auf die Bühne, funkelnd, rebellisch und mit deutlich mehr Riot als braver Revue-Romantik. Malin Mirage setzte dagegen ganz auf die Zauberei und hatte das Publikum mit ihrer reinen Magie-Nummer schnell genau dort, wo sie es haben wollte. Und dann war da noch die Poleakrobatik, die dem Abend ein letztes Mal eine ganz andere Richtung gab.
Auch musikalisch blieb vieles in Bewegung. Das Projekt Im Wesen setzte mit düster-mystischem Livegesang einen schweren Akzent. Ganz anders Juliane Bernadette Müller, die als Frau Müller am Klavier saß und Lieder zwischen den 1920ern und der Gegenwart anstimmte: frei, theatralisch und alles andere als brav.
Nicht alles spielte sich auf der Bühne ab. In der Pause lud der kleine Basar zum Stöbern ein, und Der Harry zeigte dort seine laute Mischung aus Pop-Art, Streetart, Comic-Einflüssen und Upcycling. Das passte bestens zu einem Abend, an dem sich ohnehin niemand Mühe gab, in eine saubere Schublade zu passen.
Kaum war die Show vorbei, tauchten bei Facebook schon die ersten Bilder und Reaktionen auf. Die Rede war von der Stimmung vor, hinter und auf der Bühne, von vielen schönen Begegnungen, und immer wieder von Dank an Julia Anoush und das gesamte Team.
Am Ende war Varieté Bizarr genau das, was der Name verspricht: schräg, sinnlich, gelegentlich düster und mit sichtbar viel Herzblut gemacht. Kein glattpoliertes Showprodukt, sondern ein Abend mit Ecken, Glitzer, Klingen und sehr unterschiedlichen Menschen, die daraus gemeinsam etwas Eigenes formten.
Hier bei freizeittipps-nrw.de
Julia Anoush ist eine vielseitige Künstlerin aus Nordrhein-Westfalen, die in der schwarzen und alternativen Szene als Performerin und DJane bekannt ist.
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